Fast 180 Teilnehmer hatten sich zur diesjährigen Landesarbeitstagung, Mitgliederversammlung und Fachausstellung des Landesverbandes Hessen angemeldet, die in diesem Jahr am 12. Mai im Maritim-Konferenz-Hotel in Darmstadt stattgefunden hat.

Pünktlich um 8.30 Uhr eröffnete Landesvorsitzender Hermann Neugebauer die Fachausstellung. Sein besonderer Dank galt dabei den Vertreterinnen und Vertretern der ausstellenden Firmen, die erneut die Ausstellung nutzten, um ihr Leistungsangebot nach dem neuesten Stand der Technik zu präsentieren. In einer Zeit, in der das kommunale Finanzwesen grundlegende Änderungen erfahren hat, ist es wichtiger denn je, auf eine geeignete Software zurückgreifen zu können.

Wie es die Tagesordnung vorsah, eröffnete der Landesvorsitzende die Landesarbeitstagung und begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und Interessenten. Der besondere Gruß galt hierbei dem Bundesvorsitzenden Dietmar Liese sowie den Vertretern der Landesverbände Baden-Württemberg (Jürgen Baldauf), Nordrhein-Westfalen (Karl-Heinz Stinner), Thüringen (Silvia Bachmann) und Rheinland-Pfalz (Achim Schmidt). Als sehr bedauerlich bezeichnete es Hermann Neugebauer, dass weder ein Vertreter der Wissenschaftsstadt Darmstadt, noch des Landkreises Darmstadt-Dieburg anwesend war, um die Tagungsteilnehmer zu begrüßen.

Besonders erwähnte Hermann Neugebauer, dass der hessische Landesverband in diesem Jahr sein 60jähriges Bestehen feiert. Hierbei handele es sich zwar um kein Jubiläum im klassischen Sinn, dennoch fand er es wichtig, auf diese Besonderheit hinzuweisen.

In seinem Grußwort, in das er auch die Grüße der anwesenden Landesverbände einbezog, ging der Bundesvorsitzende auf die Einführung der Doppik ein, die zwischenzeitlich in den hessischen Kommunen landesweit eingeführt wurde. Aber auch aus dem internen Bereich des Fachverbandes wusste Dietmar Liese Neues zu berichten. Hervorzuheben sei hier vor allem das neue Corporate Design des Fachverbandes. Aber auch das Veröffentlichungsorgan des Verbandes, die Kommunal-Kassen-Zeitschrift, erscheint seit Januar d.J. in neuem Layout. Der Internetauftritt des Fachverbandes wurde ebenfalls maßgeblich modernisiert.

Wie die beiden vorangegangenen Landesarbeitstagungen, so stand auch diese Tagung wieder im Zeichen der Doppik. Allerdings bezogen sich die doppischen Themen nicht auf die Einführung derselben, sondern vielmehr auf die Ausführung.

In seinem sehr praxisnahen Vortrag über die Erstellung des ersten doppischen Jahresabschlusses ging Christoph Hänel von der Schüllermann Consulting GmbH zunächst auf die gesetzlichen Grundlagen ein, ehe er dann die Bestandteile des Jahresabschlusses, nämlich die Vermögens-, Ergebnis- und Finanzrechnung beleuchtete. Christoph Hänel führte die Tagungsteilnehmer zum Weg des Jahresabschlusses und ging dabei auch auf die Typologie der Fehler ein, die sich hierbei einschleichen können. Abgerundet wurde das Referat durch die Darstellung der speziell von der Kasse zu erbringenden Tätigkeiten bei der Erstellung des Jahresabschlusses.

Im Anschluss an eine Pause, in der die Tagungsteilnehmer die Zeit nutzen konnten, um sich dem Angebot der Aussteller zu widmen, referierte Rechtspfleger Rainer Goldbach vom Amtsgericht Frankfurt/Main über die Auswirkungen des Pfändungsschutzkontos auf die Vollstreckungspraxis.

Wie Rainer Goldbach berichtete, wird zur Verbesserung des Schuldnerschutzes bei einer Kontopfändung mit Wirkung zum 1.7.2010 das so genannte Pfändungsschutzkonto eingeführt. Ziel ist es, dem Schuldner durchgängig den Zugriff auf ohnehin unpfändbare Geldmittel zu ermöglichen, damit er seinen existenziellen Lebensbedarf ohne weiteres bestreiten kann. Der Vortrag fand insoweit das besondere Gehör der Anwesenden, weil es hinsichtlich der Verfahrensweise noch keine Erfahrungen gibt. Viele Fragen, die sich bereits vor dem Inkrafttreten der neuen Bestimmung stellen, konnten durch den Referenten beantwortet werden.

Nach Schluss der Vormittagsveranstaltung bestand in der Mittagspause nochmals genügend Zeit, sich dem Angebot der ausstellenden Firmen anzunehmen.

Bei den im Anschluss an die Mittagspause stattfindenden Verbandsangelegenheiten ging Landesvorsitzender Hermann Neugebauer zunächst auf die Verbandsarbeit der zurückliegenden zwei Jahre ein und lobte hierbei vor allem die Arbeit der Kreisarbeitsgemeinschaften. Auch die Aus- und Fortbildungsarbeit wurde in gewohnter Weise fortgeführt. Erfreulich sei auch die Anzahl der hessischen Kolleginnen und Kollegen zu werten, die den Weg zur Bundesarbeitstagung 2009 in Hannover gefunden hatten. Mit etwas Wehmut berichtete der Landesvorsitzende schließlich, dass Hessen sich bundesweit hinsichtlich der Mitgliederzahl von Rang 3 auf Rang 4 verschlechtert habe. Trotzdem ist die Mitgliederzahl mit 378 gegenüber 381 im Jahr 2008 nahezu unverändert geblieben.

In einem Power-Point-Vortrag stellte Landesschatzmeister Arno Grosmann den Kassenbericht vor. Die Tagungsteilnehmer konnten sich von einer stabilen Kassenlage überzeugen. Die Kasse wurde von den Kassenprüfern Wolfgang Fuchs und Udo Kniese geprüft. Wie Udo Kniese mitteilte, kam es dabei zu keinerlei Beanstandungen. Vielmehr konnte dem Schatzmeister eine ordnungsgemäße und einwandfreie Kassenführung bescheinigt werden. Auf Antrag des Kassenprüfers wurde dem Landesvorstand einstimmig Entlastung erteilt.

Bei den anstehenden Wahlen wurden Jürgen Glotzbach (Landesgeschäftsführer) und Reinhold Braun (stellvertretender Landesvorsitzender) einstimmig für weitere vier Jahre gewählt. Für den satzungsmäßig aus dem Amt ausscheidenden Kollegen Wolfgang Fuchs wurde Kollege Hans-Joachim Metz von der Stadtkasse Bensheim einstimmig für vier Jahre zum Kassenprüfer gewählt.

Als Dank und Anerkennung für seine persönlichen Leistungen und besonderen Verdienste für den Fachverband der Kommunalkassenverwalter überreichte Bundesvorsitzender Dietmar Liese dem Landesgeschäftsführer, VZV-Referent und Schriftleiter des Handbuches für das Verwaltungszwangsverfahren Jürgen Glotzbach den Ehrenbrief des Fachverbandes der Kommunalkassenverwalter e.V. Es handelte sich hierbei um eine nachträgliche Auszeichnung, da Jürgen Glotzbach an der offiziellen Übergabe des Ehrenbriefes anl. der Bundesarbeitstagung 2009 leider nicht anwesend sein konnte.

Nach den Verbandsangelegenheiten referierte Achim Schmidt (stellvertretender Landesvorsitzender von Rheinland-Pfalz) über das Thema „Forderungsmanagement“. Wie Achim Schmidt berichtete, stärkt ein vollständiger und zeitnaher Eingang der Zahlungen unmittelbar die finanzielle Position der Kommune. Forderungsausfälle und zeitlich verzögerte Einzahlungen gilt es daher zu vermeiden bzw. zu mindern. Ein funktionierendes Forderungsmanagement verbessere laut Schmidt die Liquidität einer Kommune. In einem sehr praxisnahen und lebhaft vorgetragenen Referat erläuterte Achim Schmidt, welche Maßnahmen erforderlich sind, um ein gezieltes Forderungsmanagement effizient und effektiv durchzuführen.

Ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrags lag in der „Werthaltigkeit“ der kommunalen Forderungen. Erfahrungsgemäß ist bei einem hohen Gesamtforderungsbestand mit einem generellen, nicht vorhersehbaren Werthaltigkeitsrisiko zu rechnen. Auch Forderungen, bei denen keine erkennbaren Risiken zu verzeichnen sind, werden erfahrungsgemäß nicht immer vollständig beglichen. Achim Schmidt zeigte hier die Möglichkeiten der Einzelwertund Pauschalwertberichtigungen sehr anschaulich auf und erläuterte auch, wie mit den Berichtigungen in der Doppik buchungsmäßig umzugehen ist.

Gegen 16.00 Uhr sprach der Landesvorsitzende das Schlusswort mit dem Hinweis auf die in der Zeit vom 25. bis 26. Mai 2011 in Fulda stattfindende Bundesarbeitstagung und der Hoffnung, dass auch die Landesarbeitstagung 2012 eine ähnlich erfreuliche Resonanz findet.

Jürgen Glotzbach, Landesgeschäftsführer


Landesarbeitstagung 2010